Teilersatzneubau Geschäftshaus mit Wohnungen
Studienauftrag 2019
Schützengasse 4
8001 Zürich
Eine kritische Rekonstruktion
Ein Ort von höchster Zentralität, beinahe alles ist Kontext! – der Ersatzneubau des Stadthofs stellt uns vor eine aussergewöhnliche Bauaufgabe. Wir suchen eine Herangehensweise, welche die Neukonzeption auf sehr umfassende Weise mit der Umgebung in einen Dialog treten lässt: architektonisch-städtebaulich, aber auch mittels Bautyp, Konstruktionsweise und Materialisierung.
Bautyp und städtebauliche Setzung
Die Gesetzmässigkeiten des Bautyps zeigen sich an den Häusergevierten am Bahnhofplatz. Es handelt sich um klassische innerstädtische Stadthäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ladennutzungen im Erdgeschoss und darüberliegende Zwischengeschosse bilden meist doppelgeschossige Sockel, darüber folgen unterschiedlich gestaltete Lochfassaden, horizontale Gliederung mittels durchgehender Gesimse, Vertikalbetonung der durchgehenden Fensterachsen, markanter oberer Abschluss mit Kranzgesimsen.
Unter Vermeidung allzu historisierender Zitate sucht sich der Stadthof-Neubau in den Reigen seiner Nachbarn einzufügen und das Strassengeviert an Schützengasse und Waisenhausstrasse würdig abzuschliessen. In Grundriss und Fassadenanmutung wird die deutliche Reminiszenz an den alten Stadthof von 1881 sichtbar, während der beinahe identisch rekonstruierte Kern der oberirdischen Geschosse den Bau aus den Siebzigerjahren nachzeichnet. Seit der kräftigen Neufassung des Beatenplatzes an den Flanken in den Jahren nach 1900 – mit den von Dachgebirgen bekrönten, mächtigen Baumassen von ABC-Kino und Amtshaus II – ist die Gebäudeecke des Stadthofs vom Platz abgeschnitten oder zumindest zurückgesetzt. Somit wirkte die zierliche Ecküberhöhung des verschwundenen Altbaus verloren in der Erinnerung an eine vergangene Zeit. Der Neubau verzichtet daher auf einen Eckturm. Lediglich das Dach bekommt an der Ecke einen diskreten Akzent.