«Fritz District» München-Neuperlach
0475.2

Fritz-Quartier München

2-stufiger Wettbewerb
Wettbewerb, Phase 1 Städtebau 2022, 2.Preis
Kooperatives Werkstattverfahren 2023, Phase 2, Baufeld 7+8

Fritz-Schäffer-Strasse 9
81737 München, Deutschland

Den von Hines Real Estate und der Stadt München ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb zur Umgestaltung und Erweiterung eines grossen, leerstehenden Bürogebäudes in München konnten Site Practice und ZUS (Amsterdam/Mumbai, Rotterdam) Ende letzten Jahres für sich entscheiden. In den vergangenen sechs Monaten wurde der Entwurf in einem kooperativen Werkstattverfahren mit pool Architekten (Zürich), ROBERTNEUN™ (Berlin) und MAD Arkitekter (Oslo) sowie unter Beteiligung der Stadt München, Anwohnern, Experten und der Bauherrschaft zu einem anspruchsvollen Vorentwurf weiterentwickelt. Durch Weiterbauen, An- und Aufbauen, Anhängen und Danebenstellen wird die Grossform in den «Fritz Distrikt» als ein gemischt genutztes, nachhaltiges Stadtquartier (75.000 m²) verwandelt. Das Ergebnis der intensiven Zusammenarbeit ist ein Entwurf, der durch eine abwechslungsreiche Komposition aus Bestandsstrukturen in Kombination mit Ergänzungen überzeugt. Gleichzeitig entsteht ein vielfältiger öffentlicher Raum, welcher in fünf Höfe gegliedert ist, die jeweils einen anderen Aspekt des Stadtteils aufgreifen. Ausserdem zeichnet sich das Konzept durch eine radikale Wiederverwendung von Materialien des bestehenden Bürogebäudes aus.

Fritz Distrikt
Das Gebäude aus den 1970er Jahren wird durch gezielte Eingriffe und möglichst wenig Rückbau in ein multifunktionales und urbanes 3D-Viertel verwandelt. Die verbliebenen sieben Baukörper werden zu zeitgemässen Bauvolumen erweitert. Diesem Ensemble werden zwei Neubauten hinzugefügt, sodass eine abwechslungsreiche Komposition aus Gebäuden, Plätzen, Gassen, Höfen, Parks und (Dach-)Terrassen entsteht. Durch die Vielfalt und Vielschichtigkeit wird somit ein abwechslungsreiches Programm geboten. Der ehemals introvertierte Bürokomplex überzeugt in seiner neuen Gestalt aus mehreren Einzelgebäuden als gemischter, urbaner 18-Stunden-Mikrokosmos. Das Fritz-Quartier trägt mit seiner hohen städtebaulichen Dichte zur Belebung Neuperlachs bei und fördert die Aktivierung des geplanten urbanen Boulevards, welcher östlich des Plangebiets entstehen soll. Hier befindet sich auch die Zufahrt zum zentralen Fahrradparkhaus des neuen Areals. Auf der Nordseite wird auf den eventuellen Rückbau der Schnellstrasse reagiert, indem ein qualitativer Raum in Verbindung mit einem Sportpark in direkter Verbindung zum Quartier angestrebt wird.

Arkaden, Höfe und Gassen
Der öffentliche Raum, welcher als Pendant zur Bebauung fungiert, wird von fünf Höfen dominiert, welche jeweils einen eigenen Schwerpunkt des Viertels verkörpern. Das Herzstück bildet der «Marktplatz», an den überdachte Freibereiche angegliedert sind. Im geschützten südlichen Hof finden Natur und Spielaktivitäten Raum. In direkter Nähe zum östlichen Eingang entsteht die «Makers Plaza», ein Ort für lokale Initiativen. Im nördlichen Bereich sind der «Secret Garden» und der «Kult-Hof» verortet, die Platz für städtische Natur und spontane Events wie ein Freiluftkino bieten. Die Höfe sind durch eine Kombination aus Gassen und Verbindungen miteinander vernetzt. Die Sockelgeschosse der einzelnen Gebäude sorgen für den lebendigen Charakter des urbanen Mikrokosmos und beherbergen lokale Initiativen, wie beispielsweise die bereits bestehende «Community Kitchen». Alle Gebäude ermöglichen einen sanften Übergang von aussen nach innen, indem sie über Arkaden am Eingangsbereich verfügen.

Radikale Wiederverwendung
Es war nicht nur das Ziel, die Bausubstanz an sich weitestgehend zu erhalten, sondern auch möglichst viele Materialien, wie beispielsweise die Steinverkleidung und die Fensterrahmen, einer erneuten Verwendung zuzuführen. Die neuen Strukturen werden als hybride Holzkonstruktionen ausgebildet, um den CO₂-Fussabdruck möglichst gering zu halten. In Zusammenarbeit des Architektenkollektivs wurde ausserdem ein Katalog ausgearbeitet, in welchem die wesentlichen Materialien und Merkmale des Gebäudes festgehalten sind und welcher als Grundlage für die Entwürfe fungierte. Der ursprüngliche Fussabdruck des Bestandsgebäudes bleibt im Aussenbereich sichtbar und bildet eine Erinnerung an Vergangenes.

Gesamtkunstwerk
In intensiver Zusammenarbeit – und inspiriert vom Bauhaus – suchte das Kollektiv der europäischen Büros nach einer Architektursprache, welche der ursprünglichen architektonischen Erscheinung des Areals gerecht wird. So entsteht eine spannende Komposition aus bestehenden Fassaden in Kombination mit Additionen. Jedes der Gebäude leitet seine Formensprache und seine äussere Erscheinung von dem bestehenden Komplex ab. Ebenso ist der charakteristische 45-Grad-Winkel in dem Quartier weiterhin klar erkennbar. Indem die einzelnen Gebäude selbst, aber auch der Stadtteil als Ganzes gleichzeitig entwickelt wurden, konnte eine stimmige Komposition entstehen, die als Gebäudefamilie lesbar ist.